Die Gegend um den alten Wasserturm beim ehemaligen Nordbahngelände ist, auf gut wienerisch, eine richtige Gstätten. Gstätten bedeutet „verwilderter Platz“ – welch passende Bezeichnung. Heute sagt man wohl eher „Lost Place“ dazu, was kein Engländer verstehen würde, weil es ein Pseudoanglizismus ist und so viel wie „vergessener Ort“ heißen soll. Aber der Ort ist nicht vergessen. Er wartet auf seine neue Bestimmung. Noch ist er eine ehemalige Gleisanlage, ein Hundeklo, eine illegale Mülldeponie, ein Platz, auf dem sich ein Schwarm von Seidenschwänzen in den Ästen der Bäume niederlässt, Heimat für die vom Aussterben bedrohte Wechselkröte, Jagdrevier für „Lost Places Handy Fotografen“ und für mich. Die Gstätten soll angeblich erhalten bleiben und sich in einen „First Urban Nature Park“ verwandeln. Aber die Bagger rücken heran und was läge näher, als die Gstätten, dem wahren Bedürfnis der Menschen entsprechend, in Wohnhäuser, Bürogebäude und Betonwüsten zu verwandeln.
Mich ziehen solche Orte magisch an, nicht wegen ihrer Geschichte, sondern wegen der Diskrepanz ihrer Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Wer dort selber nicht hin will, aber doch einen Blick darauf werfen möchte, kann sich meine Impressionen hier ansehen.
Wer mehr über die Gegend wissen will, findet im folgenden Link Informationen: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Nordbahnviertel
